Über uns

Der Verein UpStadt e.V. (i.G.) wurde im Sommer 2020 von Menschen aus drei Initiativen – Initiative Geschichtsort Januaraufstand, Initiative Upstall Kreuzberg und Nachbarschaftsinitiative Dragopolis – gegründet und seine Gemeinnützigkeit beantragt. Die Initiativen beteiligen sich seit Jahren an der kooperativen, gemeinwohlorientierten Quartiersentwicklung im „Rathausblock Kreuzberg“, der das Dragonerareal sowie weitere Flächen einschließt. Dieses Quartier wird derzeit zu einem Wohn-, Kultur- und Gewerbestandort mit starker Gemeinwohlorientierung entwickelt.

Eingebettet in diesen Prozess verfolgt der Verein UpStadt die Schaffung eines dauerhaften Geschichts- und Lernorts auf dem Dragonerareal, vorzugsweise in historischen Räumlichkeiten. Als authentisches Zeugnis eines kritischen Wendepunkts der Revolution 1918/19 (Ermordung der Parlamentäre, die die Übergabe des im Januaraufstand besetzten „Vorwärts“-Verlagshauses verhandeln wollten) ist die ehemalige Kaserne ein Schlüsselort der deutschen Demokratiegeschichte. Er lädt zur Auseinandersetzung mit politischer Gewalt, deren Vorbedingungen und deren Rechtfertigung ein, zugleich jedoch auch zu einer spannenden Neubetrachtung der 1918/19 geführten Debatten z.B. zum Verhältnis von direkter (Räte-)Demokratie und parlamentarischer Demokratie.

Im Geschichts- und Lernort sollen vielfältige Angebote zur Überwindung von Feindbildern erarbeitet und die kritische Befassung mit den Grundlagen des Zusammenlebens in einer offenen, pluralen Gesellschaft gefördert werden. Als Ausstellungs-, Erinnerungs- und Werkstattort – vor allem aber als ein Ort der politischen Bildung und des öffentlichen Diskurses zu geschichtspolitischen Themen – wird dort zugleich ein intensiver Gegenwartsbezug ermöglicht und ein Raum für Zukunftsentwürfe geschaffen.

Die inhaltliche Ausrichtung der Programmarbeit verknüpft zwei thematische Stränge, nämlich die bauliche mit der historischen Dimension. Die sinnlich erfahrbare Trans­formations­geschichte verbindet sich über die überwiegend erhaltenen Kasernengebäude mit der Ereignisgeschichte des „Januaraufstandes“, ein Wendepunkt der deutschen Revolution 1918/19. Der Ort spielte eine zentrale Rolle in der gegenrevolutionären Niederschlagung des Januaraufstandes und der Revolution insgesamt. Er macht den vielfach gebrochenen Entwicklungsweg der deutschen Demokratie erfahrbar. Zudem verweist die Entstehungsgeschichte der Kaserne auf die Revolution von 1848, in deren Folge die Stärkung des stehenden preußischen Heeres erfolgte.

Dieser geschichtliche Hintergrund verdeutlicht die herausragende Bedeutung der ehemaligen Kaserne für Berlin und darüber hinaus für die Entwicklung der deutschen Demokratie. Diese hat sich nicht nur in den Erfolgen der Freiheitsbewegungen, sondern auch in bitteren Niederlagen und Brüchen, inneren Widersprüchen und Rückschlägen manifestiert. Angesichts der bisher unzureichenden Aufarbeitung der Revolution 1918/19 in der deutschen Erinnerungskultur und -politik verdient der Geschichts- und Lernort in der ehemaligen Dragonerkaserne einen Platz im gesamtstaatlichen Erinnerungskonzept der Bundesregierung und in der geplanten Bundesstiftung „Orte der deutschen Demokratiegeschichte“.

Ein weiterer Schwerpunkt in der Arbeit des Geschichts- und Lernorts ist die Transformation der Kaserne nach 1919. In den 20er Jahren entstand hier das Berliner Zentrum der Automobilität mit Werkstätten und Garagen. Auch die Rüstungsproduktion – zeitweise unter Einsatz von ausländischen Zwangsarbeiter*innen – spielte eine wichtige Rolle vor und während des 2. Weltkriegs.

Auf diese Weise leistet der Geschichts- und Lernort einen wichtigen Beitrag zur gemeinwohlorientierten, kooperativen Quartiersentwicklung im Rathausblock. Er erschließt das historische Erbe des Areals und dessen Bedeutung für Gegenwart und Zukunft: Vom Upstall (Allmende) der Tempelhofer Bauern über militärische und zivile Nutzungen im 19. und 20. Jahrhundert bis hin zum zivilgesellschaftlich erkämpften Modellprojekt im öffentlichen Eigentum. Der faszinierende Ereignisbogen über mehr als zwei Jahrhunderte spannt sich somit vom Feudalismus über Militarismus, Krieg, Revolution, Gewalt, Diktatur und Shoa bis hin zu Mitbestimmung in der Demokratie.

Die angestrebte Schaffung des Geschichts- und Lernorts ist Bestandteil der Kooperationsvereinbarung zum Modellprojekt „Rathausblock Kreuzberg“, die die Grundlage für die kooperative und gleichberechtigte Zusammenarbeit von Senat, Bezirksamt, Berliner Immobilienmanagement (BIM), Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM), Vernetzungstreffen (VTR) und Forum Rathausblock bildet. Fragen der Trägerschaft, Programmierung und Finanzierung müssen noch von den Kooperationspartner*innen ausgehandelt und abgestimmt werden.

UpStadt e.V. (i.G.) sucht die enge Kooperation mit den Partner*innen im Modellprojekt „Rathausblock Kreuzberg“, mit der Nachbarschaft und zivilgesellschaftlichen Kräften sowie mit interessierten Institutionen in Bezirk, Land Berlin und Deutschland zur baldigen Realisierung des Geschichts- und Lernorts. Gemeinsam mit diesen setzt sich der Verein für die inklusive und partizipative Gestaltung und Umsetzung des Programms ein.